Mathematica-Erfinder Stephen Wolfram arbeitet mit einem Team von rund hundert Mitarbeitern an einer neuen Generation von Antwortmaschinen. Ginge es hier nicht um Stephen Wolfram, wäre die Aufregung, die seit dem Wochenende Teile des Internets erfasst hat, weniger groß. Einen Google-Killer wollten schon viele bauen – ihm aber traut man es zu. “Ein neues Paradigma für den Gebrauch von Computern und den des Web”, nennt Wolfram selbst sein Projekt. Wolfram Alpha gibt Antworten auf beliebige Fragen berechnen. Es liefert nicht eine Liste von Dokumenten, sondern konkrete Antworten: Die semantische Suche ist geboren: AIDA-Formel. Wolfram Alpha ist keine konventionelle Suchmaschinen, da sie keine Trefferlisten ausgibt, sondern aus den Eingaben Ergebnisse und Antworten generiert.
Das System beruht auf vier Datenquellen: Die Basis stellen mehrere Trillionen von Datensätzen dar, die sowohl frei verfügbar als auch lizensierte Daten enthalten. Diese werden bereinigt und soweit wie möglich überprüft, bevor sie in das System eingespeist wurden. Auf der Grundlage dieser Daten, die allen Bereichen des Lebens entstammen berechnet WolframAlpha eine Vielzahl von Antworten. Es ist schon unglaublich, was wir an Datenmengen über uns und unsere Wissenschaften im Internet hinterlassen. Man kann sogar einfach seine Website in Wolfram Alpha eingeben – dann werden spezielle Informationen geliefert, die ich so noch nie gesehen habe!
Die zweite Basis bilden die Algorithmen und Berechnungsformeln, mit denen sich die Antworten ermitteln lassen. Allein für diese Algorithmen wurden fünf bis sechs Millionen Zeilen Code geschrieben, so Stephen Wolfram. Er ist ein genialer Mathematiker! Vor fünfzig Jahren, in der Frühzeit der Computer, habe man erwartet, dass Maschinen bald mit all dem umgehen könnten, schreibt Wolfram: “Dass man dem Computer nur eine Sachfrage stellen müsste, und ihn die Antwort ausrechnen lässt. Aber dazu kam es nicht.” Nun, glaube er, sei man an einem Punkt, an dem dieses Versprechen endlich einzulösen sei. Mit der Kombination aus Mathematica und seinen Theorien über basale, elementare Programme, die er “zelluläre Automaten” nennt.
Eine linguistische Kompente stellt die dritte Säule dar. Denn WolframAlpha erkennt und versteht die Eingaben des Nutzers. Es analysiert die in englischer Sprache eingegebene Anfrage linguistisch und gibt entsprechend relevante Antworten aus. Der Web-Unternehmer Nova Spivack hat sich den Prototypen schon ansehen dürfen, beschreibt das Werkzeug zunächst mal per Ausschlussverfahren: “Es wirft nicht einfach Dokumente aus, die vielleicht die Antwort enthalten, wie Google, und es ist nicht einfach eine gigantische Wissensdatenbank wie Wikipedia. Es versteht nicht nur natürliche Sprache und benutzt diese Fähigkeit, Dokumente zu finden, wie etwa Powerset.”
Einer gigantischen Datenbank, einer gewaltigen Ansammlung von Algorithmen und einem Übersetzer, der aus sprachlich formulierten Fragen Rechenaufgaben macht, die von den Algorithmen unter Zugriff auf die Datenbasis gelöst werden können – das ganze kombiniert Wolfram Alpha zu einer gigantischen Datensammlung und Fragen-Antwort-Maschine! Genial!
Sehenswertes Video, wer es nicht glauben kann:
http://www.wolframalpha.com/screencast/introducingwolframalpha.html
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