Vom 22. bis 24. September ging die Zukunft Personal in ihre 10. Runde. Von der Wirtschaftsflaute war dabei wenig zu spüren. Europas größte Fachmesse für Personalmanagement erreichte mit 11.525 Besuchern (Tag 1: 3.266, Tag 2: 4.877, Tag 3: 3.382) ein Rekordergebnis. Besonders gefragt waren Strategien für das Online-Recruiting und Qualifizierungen für Vertriebmitarbeiter und Führungskräfte. Insbesondere der Vortrg von Sanjay Sauldie zum Thema “Internet Marketing für Human Ressources Management” begeisterte die Zuschauer.
Im Boomjahr 2008 waren 8.279 Personalverantwortliche zu der Messe nach Köln gekommen. „Dieses tolle Ergebnis haben wir mit der Umstellung auf drei Tage noch einmal um 3.246, also 40 Prozent, gesteigert“, kommentierte Alexander Petsch, Geschäftsführer des Veranstalters spring Messe Management kurz nach der Zukunft Personal. „Solche Besucherzahlen hätten wir angesichts der aktuellen Krise mit zwei Tagen sicherlich nicht erreicht.“ Die Skepsis unter den Ausstellern sei zwar groß gewesen, doch inzwischen hätten die meisten ihre Vorbehalte revidiert.
„Wir waren sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Konrad Schlebusch, Geschäftsführer der HR4YOU Solutions GmbH & Co. KG. Am zweiten Tag habe das Softwareunternehmen sehr viele Leads erzielen können, der erste und der dritte wären nicht so gut gelaufen. Insgesamt zählte HR4YOU jedoch mehr Kontakte als in 2008. Die Hoffnungen seien zwar noch größer gewesen, aber schließlich müsse man der Krise auch Rechnung tragen. „Da wir bei anderen Messeaktivitäten in diesem Jahr gesehen haben, dass aufgrund der Wirtschaftslage rund ein Drittel weniger Kontakte entstanden sind, ist das ein gutes Ergebnis“, so der Geschäftsführer. Die Verlängerung auf drei Tage habe die Besuche am Stand deutlich entzerrt, so dass dem Unternehmen keine Leads durch die Lappen gegangen seien.
Auch Gregor Minichberger, Leiter Recruiting-Software von epunkt Internet Recruiting, freute sich über den guten Erfolg: „Wir hatten sehr viele Besucher am Stand und waren absolut ausgelastet. Außerdem war aus unserer Sicht sehr qualifiziertes Publikum da.“ Potenzielle Kunden hätten genau gewusst, was sie wollten, und zielgerichtet gefragt – hauptsächlich nach Bewerbermanagement und eRecruiting. Angesicht einer steigenden Menge von Bewerbungen gehe es ihnen darum, die Unterlagen effizienter und kostensparender handhaben zu können. „Ein Thema sind für viele Unternehmen auch soziale Medien und Plattformen im Internet“, berichtet Minichberger. Sie beschäftigten sich damit, wie man sich hier präsentiere und rekrutiere. Es werde immer wichtiger, verschiedene Recruiting-Kanäle zu finden – jenseits der altbekannten Printanzeige oder dem Inserat auf der eigenen Website.
Auch viele Dienstleister, die besonders unter der Krise zu leiden hatten – wie Anbieter aus der Zeitarbeitsbranche – äußerten sich sehr positiv. „Wir beobachten, was auch viele Experten prognostizieren: In Unternehmen steigt derzeit das Interesse an Zeitarbeit, weil sie nicht gleich wieder fest einstellen wollen“, erzählte Björn Vogt, Projektleiter Messen der Trenkwalder Personaldienste GmbH. „Wir selbst haben seit April wieder steigende Zahlen.“ Bei dem Personaldienstleister seien auch einige Organisationen am Stand gewesen, die direkt Personalbedarf anmeldeten. „Mein Eindruck ist, dass die Nachfrage nach Software für Personaldienstleistung und Zeitarbeit sich gerade wieder etwas verstärkt“, bemerkte auch Konrad Schlebusch von HR4YOU. Zudem hätten sich viele Personalverantwortliche über Software im Outplacementprozess informiert. „Vermutlich wird das noch zunehmen, wenn die Kurzarbeit ausläuft.“
Weiterbildung für Vertrieb und Führung gefragt
Das Thema betriebliche Weiterbildung war mit rund 220 Ausstellern am stärksten auf der Messe vertreten. Die Anbieter zeigten sich zufrieden bis begeistert. „Meine Erwartungen an die Messe haben sich voll erfüllt – auch von der Teilnehmerzahl her“, sagte Jasper Dehner, zuständig für Messeplanung und Organisation der Konstanzer Seminare. Einige Gespräche mit Firmen seien sehr konkret gewesen und unterm Strich sei das Ergebnis noch besser als im vergangenen Jahr. „Wir sind sehr zufrieden mit der Messe – sowohl mit der Qualität als auch der Quantität der Kontakte“, so Nicole Rengelshausen von Insights Group Deutschland GmbH. Die Ergebnisse des Weiterbildungsanbieters lägen nach ersten Analysen über dem Vorjahr – entgegen den Erwartungen, die vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise eher niedrig gewesen seien.
Viele Firmen hätten jetzt wieder Bedarf an Trainings, aber die Themenpalette verschiebe sich etwas, berichtet Jasper Dehner. „Ganz stark sind Vertriebs- und Führungstrainings gefragt.“ Das unterstreicht auch Nicole Rengelshausen: „Unternehmen investieren auch heute noch in den Sales-Bereich, weil die Produkte und Dienstleistungen verkauft werden müssen und die Mitarbeiter das entsprechende Handwerkszeug dazu brauchen.“ Unternehmen suchten in der Krise auch Unterstützung für Changeprozesse. Es sei ein großes Thema, wie Personalentwickler Führungskräfte darauf besser vorbereiten können.
In den durchwegs gut gefüllten Praxisforen entpuppten sich ähnliche Themen als Publikumsrenner: Was Führungskräfte bei jeder Form von Veränderung beachten sollten, verdeutlichten Experten in der Podiumsdiskussion „Change – nein, Danke! Wie viel Veränderung vertragen Mitarbeiter?“, organisiert von der Zeitschrift „Wirtschaftspsychologie aktuell“. Das bis zum letzten Stehplatz gefüllte Forum zeigte, dass die Organisatoren mit dem Thema den Nerv der anwesenden Personalverantwortlichen trafen. Auch die Podiumsdiskussion „Bye-bye-Management – der Weg zum Neuen Leadership“, präsentiert von der Insights Group, zog die Besucher magisch an. Neben dem renommierten Fachbuchautor Niels Pfläging diskutierten dabei Roland Engels, Vorstand COO von Gegenbauer Facility Management, und Thomas Payer, Geschäftsführer der Wagner & Solartechnik GmbH, über zeitgemäße Führungsansätze.



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