Danke Deutschland: Teil 023: Bildung als deutsches Prinzip

Das Wort Bildung gibt es so nur im Deutschen. Und doch kennt man das Wort in der ganzen Welt. Mit der besonderen Bezeichnung wird mehr benannt als nur das, was man Beispielsweise unter dem Englischen Wort Education versteht. Bildung bedeutet immer eine ganz persönliche Aneignung der Welt. Diese Aneignung wird nach individuellen Interessen gestaltet und versucht sich möglichst viele Aspekte der Welt anzueignen. Klassischerweise wurde mit Bildung auch die Reise verbunden.

Nicht nur die eigene Kultur sollten sich die Menschen aneignen, sondern auch die Sichtweise anderer Menschen mit verschiedenen Perspektiven auf die Welt kennenlernen. Einen so anspruchsvollen Gedanken stellen wenige Länder an die Erziehung. Zudem stärkt diese Art von Erziehung die subjektive Aneignung der Welt durch den einzelnen Menschen. Oft verbindet man Namen wie Wilhelm von Humboldt mit dem Geist einer solchen klassischen Bildung. Für diesen Anspruch wird Deutschland in der ganzen Welt bewundert. Und ohne jeden Zweifel ist das deutsche Prinzip Bildung ein ganz besonderer Grund, Deutschland zu lieben. Viele Schulen in der ganzen Welt haben sich das Prinzip ebenfalls in ihr Schulprogramm geschrieben. Nicht selten werden deutsche Schulen von Lehrkräften anderer Länder besucht. Diese beobachten die Umsetzungsmöglichkeiten von Bildung.

Dabei ist Schule nur eine Form der Aneignung von Bildung. Insbesondere im Kulturbereich gibt es viele andere Möglichkeiten des Lernens. Mit der guten Kulturpolitik unterstützt der deutsche Staat die Vermittlungsangebote und Bildungsseminare und stärkt so das Recht auf Bildung. In Deutschland wie auch international geht man mittlerweile davon aus, dass es sich bei Bildung um ein Menschenrecht handelt. Manche gewähren dieses Menschenrecht auf Bildung nur durch die Möglichkeit zum Schulbesuch. Andere Länder, wie etwa Deutschland, knüpfen anspruchsvolle Konzepte an das Menschenrecht.

Auf diese Konzepte sollte man in jedem Fall stolz sein, auch wenn die Wirklichkeit nicht immer einhält, was die Theorie verspricht. Über die bestmögliche Umsetzung von Bildung gibt es immer wieder Streits. Neben dem Regelschulsystem gibt es in Deutschland auch eine ganze Reihe von Reformschulprojekten. In diesen versuchen die Schulen, Kindern einen größeren Freiraum für eine eigenständige Aneignung von Wissen und individuelle Bildung zu bieten.

Das Wort Bildung mit seinem großen Anspruch wird sicherlich noch in vielen Jahrhunderten den Geist anregen und Diskussionen über die bestmögliche Unterstützung der individuellen Aneignung von Kultur entfachen. Das ist möglicherweise auch gut so. Den von Diskussionen gehen immer wieder auch Erneuerungen aus, mit denen Bildungsprozesse an die aktuelle Zeit angepasst werden. Sowohl der Stoff, der in der Schule gelernt wird, hat sich dabei verändert, wie auch das Lernen selbst immer wieder ganz neue Formen annimmt.

Viele Anregungen aus besonders guten Schulsystemen stammen übrigens aus Deutschland. Finnland hat bei PISA, einer Erhebung von Schullleistungen, etwa besonders gute Leistungen erbracht. Die Vorlage für das finnische Schulsystem fanden Politiker im Schulsystem der ehemaligen DDR. Auch dieser Teil Deutschlands bot so wichtige Anregungen und Impulse für die Gegenwart. In Finnland lernen Schüler sehr selbstständig und fertigen sich in der Gesamtschule einen eigenen Stundenplan an. Auf die aussagekräftige Selbsteinschätzung wird hier ebenso viel Wert gelegt wie auf ganz persönliche Motivationen und Interessen.