Danke Deutschland: Teil 026: Ausgeprägtes historisches Bewusstsein sorgt für Verantwortung

Eine weitere wichtige Qualität von Deutschland ist das große historische Bewusstsein und die Erinnerungskultur, die man im Land pflegt. Aus der Geschichte hat man hier etwas gelernt. Es dürfte nur sehr wenige andere Länder geben, die sich über lange Jahre so intensiv mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandergesetzt haben. In die Schulen hat die Auseinandersetzung mit den dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte ebenso Eingang gefunden, wie auch in der öffentlichen Debatte und im städtischen Raum eine breite Erinnerungskultur vorhanden ist. Jedes Jahrzehnt entdeckt dabei immer wieder neue Themen.

Immer wieder werden faszinierende Einzelschicksale und Geschichten aufgearbeitet. Sowohl die Geschichte der Täter und Mörder aus dem Nationalsozialismus, wie auch die Geschichte der Opfer und des Widerstands werden dabei betrachtet. Jede Generation findet einen eigenen und immer neuen Zugang zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Viele Menschen nehmen aus der Auseinandersetzung mit der Geschichte eine besondere Verantwortung für die Gegenwart mit. Diese besondere gesellschaftliche und historische Verantwortung in der Gegenwart ist ein großer Pluspunkt der deutschen Gesellschaft. In anderen Ländern gibt es ebenfalls eine Auseinandersetzung mit der dortigen Geschichte. Doch nur wenige Länder arbeiten ähnlich intensiv und professionell in dieser Sache wie Deutschland.

Es gibt viele Forschungsprojekte, die diese wichtige Auseinandersetzung unterstützten. Aber auch Schüler arbeiten in Projekten forschenden Lernens regionale Geschichte aus ihrer eigenen Stadt auf oder widmen sich einem ganz besonderen Schicksal. Der jeweilige Bezug zum Thema kann dabei aus ganz unterschiedlichen Perspektiven entstehen. Manche Projekte widmen sich etwa der Geschichte jüdischer Sportler, andere setzen sich mit dem Schicksal von Sinti und Roma auseinander. Auch und gerade die persönliche Arbeit, die viele Schüler bei der Auseinandersetzung leisten, muss man wertschätzen. Das Kunstprojekt Stolpersteine erinnert an Häuser, in denen Opfer des Nationalsozialismus wohnten. Mit kleinen Steinen auf dem Fußboden vor dem ehemaligen Wohnhaus der Menschen wird an die Personen erinnert. Viele Schüler bringen die Verlegung solcher Stolpersteine auf den Weg oder arbeiten anschließend die Geschichte des einzelnen Schicksals auf.

Damit wird ein sehr konkreter Bezug zu Biographien aus der eigenen Stadt gesetzt. Ein ähnliches Projekt mit einer derart großen Beteiligung von Schülern und anderen Menschen aus der Zivilgesellschaft gibt es in anderen Ländern nicht. Ohne jeden Zweifel wurde durch die breite gesellschaftliche Arbeit ein starkes historisches Bewusstsein geschaffen. Aus der Auseinandersetzung mit dem historischen Unrecht wenden sich viele der aktiven Menschen gegen Unrecht und Diskriminierung in der Gegenwart. Auf diese Weise ist ein starkes Verantwortungsbewusstsein und zivilgesellschaftliches Engagement entstanden, das die Menschen der Gegenwart stark macht. Diese positive Seite der historischen Auseinandersetzung darf nicht vergessen werden. Auch darauf kann man stolz sein und sich für ein Leben in genau diesem Land bewusst entscheiden.

Nicht jedes andere Land bietet so eine starke historische Auseinandersetzung, wie es sie hier gibt. In vielen Museen und Gedenkstätten können sich Menschen auch ein unmittelbares Bild von der Geschichte machen. Die Institutionen bieten zudem ein vielfältiges Vermittlungsprogramm für ganz unterschiedliche Gruppen an. Für Schüler wie auch Senioren, junge Männer und Frauen werden hier gezielt professionelle Führungen und qualifizierte Bildungsveranstaltungen angeboten.